Atlantiküberquerung!

La Gomera-Grenada

 

Schön und sonnig war es, als wir am Samstag, 29.11.03  mittags die Leinen einholten und  erwartungsvoll aus der Marina La Gomera hinausmotorten. Unsere schweizer Freunde Dario und Sabine, Beat und Romy winkten uns zum Abschied und riefen uns gute Wünsche nach. Dario und Sabine, ein junges, elangeladenes Seglerpaar sind mit ihrem Schiff „Top to Top“ unterwegs und wollen auch bald die Reise über den Atlantik antreten. Sie sind für "Clobal Climate Expedition" unterwegs und machen sich ernsthaft Gedanken über die klimatischen Veränderungen auf der Erde. Sie besuchen überall, wo sie anlegen Schulen, um ihr Gedankengut an die Jugend weiterzugeben. Dario ist  Bergführer und war mit Sabine bereits auf einigen der höchsten Berge der Welt.

Mit uns verließ auch Bauke, ein holländischer Einhandsegler, La Gomera, und machte sich so wie wir auf den Weg, den Atlantik zu überqueren. Am späten Nachmittag, als wir aus der Inselabdeckung herauskamen, konnten wir endlich unsere Passatsegel setzen. Ein NO mit 14Kn. drückte in die Segel. In den nächsten Tagen ging es mit diesem Wind gut voran und die Stimmung an Bord war sehr gut. Fixpunkte des Bordalltages wurden die Funkrunden in der Früh um 08Uhr UTC mit Carol von Star Cruiser, mit John von  Nirvana , anschließend mit unseren lieben Freunden Carlo (Teneriffa) und Alfred aus Wien und am Nachmittag  mit Rolf von Intermar (Wetter). Nach einigen Tagen ließ der Wind spürbar nach und drehte nun auf  Süd. Gerhard sprach mit Rolf und dieser empfahl uns unbedingt nach Süden bis zum 15.Breitengrad zu gehen. Ab dort sollte dann der Passat kommen. Nun wurde kurz beraten; Richard, Gerhards Kollege und Freund, der mit uns die Überquerung erleben wollte, maß den Inhalt des Dieseltanks, schaute sich zusammen mit Gerhard auf der Karte die Strecke an, die zurückzulegen war und wir beschlossen, das zu tun, was uns Rolf  vorgeschlagen hatte.

 

      Atlantik                                                       

                                                                                Sonnenuntergang am Atlantik

 

Am siebenten Tag nach unserer Abreise schien der  Wind einzuschlafen, das Meer war glatt wie Öl und wir mussten motoren, es war unglaublich! Und das auf dem Atlantik!! Beinahe drei Tage probierten wir  immer wieder zu segeln. Kaum zeigte das Windmessgerät 5,6 oder 7 Knoten Wind, setzten wir Segel. Es dauerte jedoch nicht lange und der Wind war wieder weg. Also hieß es : motoren! Durch die viele Arbeit mit den Segelmanövern waren wir jeden Abend hundemüde. Endlich am Freitag, 08.12.03 hatten  wir wieder stärkeren Süd, sofort kam Leben in unsere weichen Seglerknochen. Die Segel füllten sich nun etwas mehr und wir glitten mit 6Kn über schier riesige Wellenberge. Manche von ihnen waren bis zu 60 Meter lang und etwa 3 Meter hoch. Und diese Wellenberge verursachten ein sehr unangenehmes Rollen. Das Essenzubereiten und das Essen selbst kam jedesmal einem Zirkusakt gleich, aber mit der Zeit lernten wir  damit umzugehen. Von Zeit zu Zeit wurde immer wieder etwas ausgeleert oder es rutschte ein volles Reindl vom Plichttisch.

Und dann war er da !! – Wir waren im Passat. Es war der Mittwoch,10.12.03. Wir setzten erneut die Passatsegel und hofften sehr, dass der Wind bis Grenada anhält. Wir waren nun den elften Tag unterwegs und hatten 1236NM hinter uns. Einiges lag noch vor uns, aber wir waren jetzt guter Dinge. Dazu kam noch, dass wir am nächsten Tag eine prächtige Goldmakrele aus dem Wasser holten. Sofort wurde die Pfanne heiß gemacht und wir ließen uns bald darauf den Fisch schmecken. Dazu kredenzte uns Gerhard köstlichen  Wein. Die nächsten Tage brachten täglich ein gutes Etmal, und die Strecke bis Grenada verringerte sich nun schnell.

Am Samstag, 20.12.03 wurde der Wind stärker, sodass wir die Segel reffen mussten, trotzdem segelten wir mit 6 oft mit 7Kn. dahin. Herrlich – auch das Rollen ließ sich jetzt besser ertragen! Um die Mittagszeit versuchte ich über Funk Baucke zu erreichen. Welche Freude – er meldete sich und berichtete uns, dass er einiges erlebt hätte. Tage vorher war ihm ein hinterer Unterwant gebrochen und er musste sich mit Leinen aushelfen. Gestern am Abend hätte er um 19Uhr beinahe ein treibendes Schiff gerammt. Der Mast des Schiffes war gebrochen und das Vorsegel hing vor dem Bug im Wasser. Niemand hätte  auf sein Rufen und Tuten reagiert. Er habe das Schiff dann noch fotografiert, dessen Namen aber nicht erkennen können. Es wäre für ihn zu gefährlich gewesen bei diesem Seegang um das Schiff  herumzusegeln! Treibende Leinen oder Wanten, die möglicherweise im Wasser  sein konnten und die nicht wahrgenommen werden können, stellen eine große Gefahr dar!

Wir gaben diese Nachricht dann an Rolf – Intermar weiter und dieser leitete es weiter zur Seenotrettungsstelle in Bremen und diese wiederum verständigte den  Seenotrettungsdienst auf Martinique.  Nun hatten wir ergiebigen Gesprächsstoff. Richard, er ist Schiffstechniker und Spezialist für solche Ereignisse, und Gerhard erläuterten diese Situation von allen möglichen und unmöglichen Seiten – bis spät in die Nacht hinein. Ich war müde und verkroch mich bald in die Koje. Wie diese Geschichte zu Ende ging,  wissen wir leider bis heute nicht. Auch Rolf wusste nicht mehr als wir. Auch Tage nachher konnte  er uns nichts Wesentliches berichten. Wir hoffen sehr, dass das Schiff gefunden wurde, denn ein treibendes Schiff ist für andere Seefahrer eine große Gefahr!

Die nächsten  Tage waren angenehm. Wir lasen, plauderten, schliefen, schauten den fliegenden Fischen zu oder beobachteten Delphine, die uns oft und lange begleiteten.

Es war Montag, 22.12.03, ein schöner Tag. Gerhard schlief  im Salon und Richard und ich unterhielten uns  in der Plicht. Plötzlich sagte jemand: “Ich sehe Land“. Gerhard stand im Niedergang. „Land“ , rief ich „das gibt’s doch nicht! Wirklich, schaut, G R E N A D A!!!!!!“

Sofort wurde ein“ Landfalldrink“ gemixt, auch Neptun wurde bedacht, und dann steuerten wir auf Grenada zu.

Nach 3020NM, um 0015h und nach 24,5Tagen hieß es in der Prickly Bay: „Fallen Anker!“

Unter tags legten auch Bauke mit seinem Schiff „Seawolf“ und Bob und Carol mit „Star Cruiser“ in der kleinen Marina in der Prickly Bay an. Groß war die Wiedersehensfreude !!!

Abends, in einem kleinen Restaurant wurde dann gefeiert. Jeder von uns hatte viel zu berichten!!!!!!

 

   Atlantikwelle                   Passatbesegelung